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Gerade in letzter Zeit werden Stimmen immer lauter, die sogenannte Freie Marktwirtschaft einzuschränken. Wie so oft werden die Grundfesten unserer Freiheit in Frage gestellt, weil einige Wenige diese Freiheiten schamlos zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen. Dies geschah jedoch schon immer. Und gerade heute, da werte-vermittelnde Institutionen (Familie, Kirche) mehr und mehr versagen zu scheinen, wird es dann hie und da eben doch notwendig, regulierend einzugreifen – und zwar sowohl in Legislative, Judikative und Exekutive.
Diese Woche musste eines der rennomiertesten Unternehmen der Zeitgeschichte, Kodak, Konkurs anmelden. 1892 gegründet, setzte es zuletzt mit knapp 19.000 Mitarbeitern rund 7,2 Mrd. US$ um. Und nun? Nach all’ der Zeit das Ende.
Ist das nicht tragisch? Nein, es ist einfach. Unternehmen werden geboren und sterben – wie wir Menschen. Und wie bei uns Menschen, scheint der Hang groß zu sein, in diesen natürlichen Kreislauf eingreifen zu können/wollen/müssen. Mit simplen Gesetzen und Regulierungen hätte man dieses alte Unternehmen vor dem Tot bewahren können. Warum nicht einfach die digitale Fotografie einschränken oder gar ganz verbieten?
Kodak hatte zuletzt, wie viele andere einst großartige Unternehmen auch, vergessen, innovativ am Markt zu agieren und war zudem zu langsam geworden. Der Unterschied mit einer weiteren Vorzeige-Marke US-amerikanischen Unternehmertums, Apple, könnte nicht größer sein. Hier die Firma, die eine ganze Branche ihr Gesicht verliehen hat (Kodak = Fotografie), dort die junge Firma aus Cupertino, die mehrmals am Rande des Abgrunds stand, um zuletzt gleich mehrere Branchen, die ganz andere Mitbewerber gut besetzt hatten, im Handstreich zu innovieren, vollkommen umzukrempeln und unglaublich erfolgreich damit Geld zu verdienen. Hätte man Kodak stützen sollen? Selbstverständlich, wenn es nach den Stakeholdern (Mitarbeitern, Kommunen und Aktionären) gegangen wäre. Genau wie wir das bei den Banken getan haben und nun mit schwächelnden Ländern tun. Weil wir das Spiel nicht verstehen. Weil wir meinen, Gott spielen und in natürliche Kreisläufe eingreifen zu müssen. Und selbstverständlich gibt es für jede Idee eine Lobby, die gute Geschichten erzählt, warum man die eine oder andere Branche, das Land oder das Unternehmen unbedingt retten muss. Blödsinn! Die Welt wird nicht zusammenbrechen! Da bin ich mir ziemlich sicher.
Zur Zeit schlagen die US-Internetgesetze SOPA und PIPA hohe Wellen. Interessant ist stets, nachzusehen, wer bei irgendeiner Sache (egal was) gewinnt. Und siehe da: Seltsamerweise stimmen auch hier gerade die Menschen dafür, die dafür bezahlt werden, dafür zu stimmen (Politiker aller Coleur eingeschlossen). Es ist stets das Gleiche. Wenn wir Kreative anschauen, dann tun sie, was sie tun, aus Leidenschaft (Musik, Sport, Malerei, Fotografie, Architektur, etc.). Sie tun es allesamt zuerst einmal nicht des Geldes wegen. Viele moderne Autoren haben bereits verstanden (wie nebenbei dieser Blog), dass es ein interessantes Geschäftsmodell sein kann, Inhalte völlig kostenlos anzubieten – und sie tun es zu Hunderttausenden. Brauchen wir Gesetze und eine einschreitende Behörde? Brauchen wir beispielsweise eine GEMA, die (nur hier in Deutschland) auf militante Art und Weise Web-Inhalte einschränkt? Inhalte, die jenseits jeder Grenze sicht- bzw. hörbar sind? Wen schützen diese Behörden? Den Autor, den Erschaffer, den Musiker, den Kreativen? Wirklich? Oder vielleicht doch nur ein paar internationale Großkonzerne (z.B. Musikindustrie), die ihre Felle wegschwimmen sieht? Seltsamerweise scheinen nämlich viele Künstler und Autoren (wie z.B. Seth Godin, Clay Shirky oder Leo Babauta) genau das Gegenteil zu wollen: Sie alle sprechen sich für ein freies Web (und Freiheit im Allgemeinen) aus, während die Einzigen, die die Lobbyisten bezahlen Großkonzerne sind, denen es am Ende überhaupt nicht um den Kreativen oder den kreativen Prozess oder Vielfalt geht. Wenn Sie die fragen, ob sie einen großartigen Film einem profitablen vorziehen, brauchen die nicht lange nachzudenken…
Wir sehen es überall: Menschen hängen an ihren eingefleischten (in Fleisch und Blut übergegangenen!) Gewohnheiten und streben im Allgemeinen eben keine ständige Veränderung an. Alle tröten sie Parolen wie “Das einzig stetige ist der Wandel!” von den Dächern aber leben tun es doch eher Wenige. Und wenn man sich ansieht, was es zu verlieren gilt, ist auch klar, dass mit allen Mitteln für das Alte, Bestehende gekämpft wird. Festhalten und nicht Loslassen heißt die Parole!
Wir sollten nicht vergessen, dass die Zerstörung der Musikindustrie, wie wir sie noch vor zehn Jahren kannten, eben gerade NICHT dazu führte, das es weniger Musik gibt. Genauso wenig, wie die momentane Zerstörung der Buchindustrie wie wir sie kennen, NICHT dazu führen wird, das weniger (oder weniger kreativ) publiziert wird. Das Gegenteil ist der Fall!
Lassen Sie uns offen sein für das Neue und das Alte würdigen und loslassen!
