Persönliche Produktivität

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Ich bin mir nicht sicher, wie es Ihnen geht, aber ich habe – wie die meisten anderen Menschen, die ich kenne, in den letzten Jahren versucht, eine immer höhere Produktivität zu erlangen. Und ich meine Produktivität im Sinne von “wieviel Arbeit kann ich in meinen Arbeitstag packen ohne tot umzukippen”.

Diese Art der Produktivität grenze ich gern ab zu meiner Sicht des Wortes Leistung. Denn hier bin ich sehr klar: Das Thema Leistung im Sinne von Input (Cash Inflow) pro Output (Arbeitszeit) möchte ich nach wie vor gern optimieren.

Ansonsten aber ist für mich persönlich das Thema Lebenszeit/Lebensglück in den Vordergrund gerückt. Nur ein paar Fragen, die mir so durch den Kopf gehen:

  • Wie sinnvoll ist es, nur zu arbeiten des Arbeitens wegen?
  • Macht mir die Arbeit tatsächlich mehr Spaß als alles andere, was ich mir vorstellen kann?
  • Erfüllt mich meine Arbeit?
  • Fordert mich meine Arbeit?
  • Lerne und wachse ich durch meine Arbeit?
  • Kann ich andere Menschen durch meine Arbeit inspirieren?

Mein Tipp also an dieser Stelle: Stellen Sie sich doch mal die obigen Fragen. Erscheint es sinnvoll, in meinem Arbeitsbereich etwas zu verändern? Wenn nicht: Weitermachen wie bisher! Wenn ja:

Vielleicht ist es an der Zeit, den ganzen Produktivitäts-Kram in den Müll zu werfen?

Sie kennen sicher die klassiche Vorstellung, bei seiner eigenen Beerdigung die Grabrede zu halten und sich zu überlegen, wofür man stehen will, was man erreicht haben will, woran man erinnert werden möchte. Die klassische Antwort von praktisch allen, die bereits Nahtod-Erfahrungen gemacht haben, ist, dass praktisch keiner sagt, dass er gern noch einen Tag mehr (oder eine Stunde pro Tag mehr) im Büro verbracht hätte. Praktisch alle berichten, dass sie all’ die Dinge bereuen, die sie gern noch getan hätten, aber nicht umgesetzt haben. Und diese Dinge haben fast ausnahmslos nichts mit dem Berufsleben zu tun, sondern sind private Leidenschaften, die nicht ausgelebt wurden.

Ein paar Ideen zur Inspiration:

  1. Simplify! Ein simpleres Leben bietet viele Vorteile. Wenn ich einen klar aufgeräumten Schreibtisch habe, verzettele ich mich nicht so leicht. Wenn ich aus nur vier Paar Schuhen auswählen muss, tue ich mich leichter. Wenn ich mir nicht vorprogrammierten (Di-)Stress mache, indem ich 95 Prozent meines Tages mit Terminen blockiere, fällt es mir vielleicht leichter, den Überblick zu bewahren…
  2. Fokus! Vielleicht können auch Sie bereits erkennen, woran wir uns gern und oft erinnern. Die vielen kleinen Details des Lebens? Oder vielleicht die paar wenigen, überlebensgroßen Hammer-Ereignisse in unserer Lebenszeit? Es erscheint mir wenig sinnvoll, auf diese wenigen, überlebensgroßen Hammer-Ereignisse zu verzichten, nur um sich den Tag mit unzähligen kleinen, nicht ganz so wichtigen, vielleicht ganz passablen, aber nicht wirklich inspirierenden und begeisternden Dingen vollzukleistern und Abends völlig erschöpft ins Bett zu kriechen.
  3. Sofort umsetzen! Ich weiß wohl, dass das nicht immer funktioniert. Manchmal ist es schon sinnvoll, eine Ideenliste zu pflegen, weil wir im Moment eben doch nicht realistischerweise sofort dran gehen können. Und ja, eine Aufgabenliste ist auch etwas sinnvolles und nützliches. Aber auch hier können wir es uns schwer und kompliziert machen oder einfach und übersichtlich (siehe Punkt 1: Simplify!). Zwei aus meiner Sicht sehr nützliche Werkzeuge für moderne internet-affine Zeitgenossen sind: Wunderlist als Taskmanager und Evernote für alle Arten von Listen und Links. Aber prinzipiell bin ich davon überzeugt, dass wir unsere besten Ideen nicht auf Morgen verschieben, sondern sie sofort umsetzen wollen.
  4. Treten Sie Ihre Ziele in die Tonne! Okay, das ist jetzt ein wenig überspitzt formuliert, um zu provozieren. Trotzdem bin ich aus meinen Erfahrungen im Leistungssport davon überzeugt, dass mir mein Leben sehr viel mehr Spaß macht, wenn ich nicht ständig nur zielgetrieben bin, ständig auf den Puls schiele, ständig die Kilometer, die Watt und die Höhenmeter haarklein aufzeichne und analysiere. Sondern frei aus purem Spaß an der Freude meine Leidenschaften auslebe. Wenn Sie sie nicht ganz verbannen möchten, schauen Sie doch mal, ob Sie statt 987 Aufgaben in Ihrer To-Do-List runterkommen auf ganz wenige. Möglicherweise nur ein bis drei große Hauptziele pro Jahr verfolgen. Und sich damit natürlich auch wieder mehr fokussieren können (siehe Punkt 2: Fokus!).
  5. Vergessen Sie de Analyse! Schon wieder so eine Provokation! Ich weiß, ich weiß: Natürlich müssen wir alles aufschreiben und (hinterher!) analysieren. Damit wir nachsteuern, korrigieren können. Komischweise ist meine Erfahrung eine ganz andere: In dem Moment, wo ich ohnehin meiner Leidenschaft nachgehe, etwas tue, das mir wirklich Spaß macht (und das sollten Sie auch beruflich tun!), in dem Moment scheine ich keine ex-post Analyse zu brauchen. Ich habe beispielsweise die vergangenen zwei Jahre überhaupt völlig ohne Feedback im Schwimmen gearbeitet. Null. War ich deswegen schlechter unterwegs, als die Triathlon-Wettkampfsaison vor der Tür stand. Offensichtlich nicht. Ich habe aber jede Menge Zeit gespart und weniger Stress empfunden.
  6. Entspannen Sie sich! Nein, es geht im Leben nicht nur um Produktivität, um Output, um “wer-stirbt-am-reichsten”! Am Ende können wir alle nichts mitnehmen. Aber den Weg bis dahin sollten wir alle so glücklich und zufrieden wie möglich genießen. Ich brauche nur meinen Nachbarn anschauen (und er ist damit garantiert nicht allein): Er ist Rentner. Hat jeden Tag 24 Stunden Zeit, dass zu tun, was ihm am meisten Freude bereitet (wie wir alle übrigens!). Und was treibt er? Jeden Tag gruschtelt er den ganzen Tag in seinem Garten rum. Aber nicht mit Spaß! Er ist notorisch grantig und kann mein noch so fröhlich geträllertes “Guten Morgen” leider nicht ebenso freudvoll erwidern. Aber er erkennt offenbar keinen Ausweg aus dieser Situation. Man braucht ihn aber nur anzusehen (wie so viele Menschen im Zug) und man ahnt, dass er nicht glücklich ist.

Eine interessante Frage ist immer: Was passiert? Was passiert, wenn ich XYZ NICHT mache? Geht die Welt unter? Oder verliere ich nur meinen Job und habe wieder mehr Zeit, mich auf die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben zu konzentrieren.

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